Merzig im Nationalsozialismus
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Zwangsarbeit, ein Thema das man heute nicht nur in Merzig gerne verschweigt. Es gibt viele Arten die Opfer erneut zu demütigen, ich kenne das nur zu gut hier aus Merzig. Man bezeichnet, wie auf dem Ehrenfriedhof Perl-Besch, die ermordeten Zwangsarbeiter als Kriegstote, und suggeriert so, als ob die Menschen freiwillig gekommen wären, um für die Nationalsozialisten zu arbeiten, und durch die allierten Kriegshandlungen gestorben sind .

 

Schon vor 1935 hatte die Betriebsführung der Firma Villeroy & Boch starke Hoffnung in die Rückgliederung des Saarlandes gesetzt. Der Betrieb wurde stramm nationalsozialistisch ausgerichtet. Nach Aussagen ehemaliger Arbeiter, versprach sich die Firma große Aufträge im Kasernenbau und Rüstungsgeschäft. So sollte auch nicht verschwiegen werden, dass im Merziger Zweigwerk ein "Lager Vilbo" für sowjetische bestand, getrennt in ein Männerlager im Bereich der Terrakottafertigung und ein Frauenlager im Bereich Rohrebau. Aus der den Totenlisten ist zu schließen,  dass es sich um männliche und weibliche Gefangene gehandelt hat.

Auffällig ist, dass die Gräberliste Besch nur unbekannte Tote nennt, die alle 1944 gestorben sind.

Handelt es sich um Opfer bei der Evakuierung im November 1944?

Die Namensliste der Stadt Merzig gibt für vier Sowjetbürger Todesdaten im November 1944 an.

Nadja Safanow gestorben 9. November 1944

Dimitri Morokin gestorben 19. November 1944*

 Lewko Huba gestorben 19. November 1944*

Ignatz Dytuck gestorben  26.November 1944

Die Sowjetbürger Nikolaus Kupper und Michail Luczak kommen beide am 4. November 1944 in Hilbringen um. 

Viktor Majakowski gestorben am 8. November 1944 in Mondorf.

Die Häufung der Todestage im November 1944 deutet möglicherweise auf eine gezielte Liquidierung im Rahmen der Räumung der "Roten Zone" nahe.

Nur von einem Toten ist näheres bekannt. Der 30 jährige Martin Szemkin suchte am 8. September 1943 Erlösung im Selbstmord durch Erhängen. 

(Anmerkung: Dimitri Morokin und Lewko Huba wurden bei dem Luftangriff am 19.11.1944 auf dem Werksgelände von Villeroy & Boch getötet. Ihre Leichen wurden 1946 bei der Beseitigung von Bombenschäden gefunden.)

 

 Auffällig ist das Schicksal der Kinder:

Vier Kinder, zwischen 1942 und 1943 in der Sowjetunion geboren, sterben in Merzig, in der ersten Hälfte des Jahres 1944.

Die Mütter wurden offensichtlich mit den Säuglingen zur Zwangsarbeit deportiert. 

 

 

  Die Familie von Boch selbst profitierte privat von den Sklavenarbeiterm aus dem Osten. Selbst ein 13 jähriges polnisches Kind befand sich unter ihren Bediensteten. Da Frau von Boch "guten Kontakt  zu den Behörden" hatte , durften ihre privaten Ostarbeiterinnen auch schon mal "ohne Ostabzeichen" ausgehen.

In Merzig gab es im Kammerforst auf dem Gelände des heutigen Wolfsgeheges,  ein Lager für Zwangsarbeiter.

Auch auf dem Hofgut Linslerhof das der Familie von Boch gehört, waren ab 1941 polnische und russische Zwangsarbeiter interniert.

Quelle: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und Verfolgung  1933-1945

 

Wenn gleich die Zustände bei Villeroy&Boch nicht mit denen bei Röchling vergleichbar sind, so wurden auch dort Zwangsarbeiter bei kleinen Vergehen der Gestapo übergeben. Was letztlich den sicheren Tod bedeutete. Die Zwangsarbeiter wurden in das KZ Natzweiler gebracht und ermordet. Man hat der Gestapo die Schmutzarbeit überlassen.

Ausgeliefert wurden

Iwan Jewtejew

Iwan Bantschukow

Wasilij Tjunjagin

Katharina Rosmyna

Quelle: Landesarchiv Saarbrücken

Anmerkung: Alle meine Versuche, eine Gedenktafel um an die Zwangsarbeiter im Kammerforst zu erinnern aufzustellen, sind gescheitert. 

 

Hermann Röchling

 

Seit vielen Jahren bemüht sich eine Bürgerinitiative in Völklingen um die Umbennung des Stadtteil " Hermann Röchling Höhe".

Es ist unglaublich das auch heute noch ein Kriegsverbrecher wie Hermann Röchling auf diese Weise geehrt wird. Es ist eine fortdauernde Demütigung der Zwangsarbeiter, der Frauen und Kinder die auf oft grausame Weise ihr Leben verloren haben.

Für mich ist es vollkommen unverständlich, dass die verantwortlichen Politiker in Völklingen an Hermann Röchling festhalten.

Haben diese Politiker kein Wissen von der unmenschlichen Behandlung der Zwangsarbeiter?

Haben diese Politiker kein Wissen von der menschenverachtenden Einstellung des Hermann Röchling gegenüber den Arbeitssklaven?

 

Eines haben diese Politiker offensichtlich nicht

Ein Gewissen

 

Bei einer Tagung am 9.1.1943 schlug Röchling eine Anlernwerkstatt für junge Ostarbeiter vor. Wieviele Kinder hier zu "Facharbeitern" ausgebildet wurden, ist unbekannt. In der langen Liste junger Zwangsarbeiter, die in der Hütte ums Leben kamen, ist Wladimir Romanow der jüngste. Er starb im Alter von 12 Jahren am 17.5.1943

 

Quelle: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und Verfolgung  1933-1945

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                 Quelle: Saarländische Volks  Zeitung  1947+ 1949