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Es gibt zwei große Lügen, die auch heute noch benutzt werden, um die Schuld zu verdrängen. 

"Wenn ich mich geweigert hätte, wäre ich auch erschossen worden" und "wir haben ja nichts gewusst". Beides sind glatte Lügen und auch widerlegbar.

Es gibt keinen Fall, wo jemand bestraft wurde, weil er sich weigerte sich an Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu beteiligen.

 

Das Militärgesetzbuch von 1941 besagt in § 47 ausdrücklich "Der Befehl, eine strafbare Handlung zu begehen, ist unverbindlich. Das Verbot, mit Strafe bedrohte Tatbestände zu verwirklichen, kann durch einen Befehl nicht außer Kraft gesetzt werden." 

 

Militärstrafgesetzbuch, § 47

»I. Wird durch die Ausführung eines Befehls in Dienstsachen ein Strafgesetz verletzt, so ist dafür der befehlende Vorgesetzte allein verantwortlich. Es trifft jedoch den gehorchenden Untergebenen die Strafe des Teilnehmers: 
1. wenn er den erteilten Befehl überschritten hat, oder 
2. wenn ihm bekannt gewesen ist, dass der Befehl des Vorgesetzten eine Handlung betraf, welche ein allgemeines oder militärisches Verbrechen oder Vergehen bezweckte. 
II. Ist die Schuld des Untergebenen gering, so kann von seiner Bestrafung abgesehen werden.«
Quelle: Militärstrafgesetzbuch nebst Kriegssonderstrafrechtsverordnung

 

Artikel in der Merziger Volkszeitung vom Januar 1965

 

 

  

 "Jeder , der es sehen wollte, konnte sehen, nicht nur in Städten, auch auf den Dörfern, wie Männer - Frauen - Kinder - Menschen, die bisher Nachbarn waren, mit geringen Habseligkeiten, mit Koffern und Rucksäcken, von SS  von SA oder von der Polizei zum Bahnhof geführt, im Güterwagen abtransportiert wurden".

Feldwebel Hugo Armann bei seinem Besuch  1987 in Yad Vashem. Hugo Arman rettete 40 Juden

Ab 1942 sickerten immer mehr Gerüchte von der Ermordung der Juden in Deutschland durch. Soldaten auf Fronturlaub erzählten was sie gesehen hatten. Gleichzeitig setzte im Dezember 1942 eine große Propagandakampagne der Alliierten ein. Durch Rundfunk und abwerfen von Flugblättern wurden die Deutschen über die Verbrechen an den Juden aufgeklärt. Das Naziregime unternahm nichts um die Anschuldigungen zu dementieren. Die Öffentliche Handhabung des Regimes lief darauf hinaus, die Umlaufenden Gerüchte indirekt zu bestätigen; dahinter stand offensichtlich das Kalkül, die Deutsche Bevölkerung zu Zeugen und Mitwissern des Massenmordes an den Juden zu machen. Die "Judenfrage" wurde so zu einem öffentlichen Geheimnis.

1943 versuchte das Regime noch einmal, die von ihm gesteuerte Öffentlichkeit neu auszurichten. Der Bevölkerung wurde klar gemacht, das sie im Falle einer Niederlage für die Verbrechen des Regimes als dessen Mitwisser und Komplizen zur Rechenschaft gezogen werden würde.

Die einfachste und Vorherrschende Haltung war sichtbar zur Schau getragene Indifferenz und Passivität gegenüber der "Judenfrage"- eine Einstellung, die nicht mit bloßem Desinteresse an der Verfolgung der Juden verwechselt werden darf, sondern als Versuch gesehen werden muss,  sich jeder Verantwortung für das Geschehen durch ostentative Ahnungslosigkeit zu entziehen.

Soweit die Wissenschaft. Von 1933 bis 1942 hat sich das Deutsche Volk in seinem Rassewahn als die einzig auserwählte Rasse gesehen. Sie haben aktiv von Anfang an den Terror gegen Juden geduldet und unterstützt. Spätestens nach der Niederlage im Osten und der zunehmenden Bombardierung der Städte durch die Alliierten, wurde auch dem dümmsten Deutschen klar, das der Krieg verloren ist und der Tag der Abrechnung kommen wird. Das große nichts Wissen setzte ein.

Waren die Deutschen vor Kriegsende die Herrenrasse, so gab sie sich nach 1945 als Opfer. Die Deutschen, die vor der Kapitulation noch Herren über Leben und Tod waren, waren jetzt unterwürfig. Ein US Soldat berichtet angewidert, wie sich eine Gruppe Kriegsgefangener im Schlamm um eine von ihm weggeworfene Zigarettenkippe geprügelt hat. Viele Frauen der Herrenmenschen prostituierten sich.

Bis heute wurde eine Gruppe Menschen kaum gewürdigt. Es sind die stillen Helden. Menschen die unter Einsatz des eigenen Lebens und dem ihrer Familien Juden versteckt oder ihnen zur Flucht verholfen haben. Diese stillen Helden gab es aber auch unter Wehrmacht, Polizei und sogar in der SS. Menschen die sich ihren Anstand bewahrt haben und Zivilcourage bewiesen haben. Ihnen ist diese Seite gewidmet.   

Theodor Groppe, (* 16.August 1882 in Trier; † 28.April 1973 in Trier)  Generalleutnant im 2.Weltkrieg aufgrund seiner regimekritischen Haltung wurde er Ende 1941 aus der Wehrmacht entlassen.  

Groppe übernahm zu Beginn des 2. Weltkrieges das Kommando der 214. Infanterie Division, die im Herbst 1939 zwischen Merzig und Dillingen am Westwall lag. Dort hatte der örtlich zuständige Kreisleiter der NSDAP für eine im Frontbereich gelegene Ortschaft „spontane Kundgebungen“ gegen die Juden befohlen. Der Generalmajor erließ daraufhin einen Divisionsbefehl, dass Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung, wenn nötig, mit Waffengewalt zu verhindern seien. Über das Korps wurde dies dem Oberbefehlshaber der 1. Armee, Generaloberst Erwin von Witzleben , gemeldet. Der spätere Generalfeldmarschall billigte nicht nur die Maßnahmen Groppes, sondern befahl auch für den gesamten Armeebereich, Ausschreitungen gegen Juden mit allen Mitteln zu verhindern.  Gedeckt durch die Generalobersten Erwin von Witzleben und Wilhelm von Leeb wurde er am 21. Januar 1940 nur in die Reserve versetzt. Als diese beiden Ende 1941 in Ungnade fielen, wurde Groppe gleichfalls verabschiedet. Es gab in der Wehrmacht etliche führende Männer, die sich dem Druck von Partei und SS nicht beugten. Generaloberst von Witzleben und Ritter von Leeb drohten mit sofortigem Rücktritt, falls man Groppe den Prozess machen sollte.

Leutnant Michael Kitzelmann prangerte die Verbrechen der Wehrmacht offen an. Er wurde wegen Wehrkraftzersetzung hingerichtet. (1)

Füsilier Stefan Hempel wurde Zeuge der Erschießung von 2000 Juden. Er desertierte und starb 1998.  (1)

Polizeioffizier Klaus Hornig verweigerte die Erschießung von russischen Kriegsgefangenen. Er war nach 1945 Zeuge in mehreren Kriegsverbrecher Prozessen. (1)

Major Karl Plagge rettete mindestens 200 Juden. Er war nach 1945 Zeuge bei Kriegsverbrecher Prozessen (1) 

Sonderführer Günter Krüll rettete mindestens 1 Juden. Er starb 1979. (1)

                               —               

Hauptruppführer der Organisation Todt Willi Arem rettete 4 Juden. Er starb 1967. (1)            

Stabshelferin Liselotte Flemming rettete 1 Jüdin. Sie starb 1990. (1)

Sonderführer Hans von Dohnanyi erfand die Geheimdienstaktion "Unternehmen Sieben" um Juden zu retten. Er wurde am 6.April 1945 wegen seiner Verwicklung in den 20.Juli 1944 von der SS erschossen.

SS Mann Alfons Zündler rettete 20 Juden. Er starb 1996. (1)  

  Quellen: (1) Zivilcourage- Empörte, Helfer und Retter aus Wehrmacht, Polizei und SS

              (2) " Davon haben wir nichts gewusst!" Die Deutschen und die Judenverfolgung 1939-1945

              (3)  Retter in Uniform- Handlungsspielräume im Vernichtungskrieg der Wehrmacht  

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 

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