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Reichspogromnacht am Mittwoch den 9. November 1938  in Merzig

Bis heute wird die Legende verbreitet, das die Zerstörungen der Synagoge und des jüdischen Friedhofes, das die Misshandlungen der Juden durch Ortsfremde durchgeführt wurden. Das ist eine bequeme Lüge, der man sich auch heute noch bedient. Die Wahrheit sieht dagegen anders aus. Viele Merziger waren aktiv oder passiv daran beteilig.

1947 wurden Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Saarbrücken wegen der Vorkommnisse in der Reichspogromnacht aufgenommen. Diese Akten liegen mir nun vor, und ich werde die ungeschminkte Wahrheit zu den Vorgängen in der Reichspogromnacht hier aufschreiben. Die Akte umfasst 670 Seiten ,die ich natürlich nicht komplett wiedergeben kann, dennoch wird ein umfangreicher Einblick in die Geschehnisse und die Rollen der Beteiligten gewährt.

Das Verhalten der Zeugen und Beschuldigten beweist, diese Nazi Generation hat aus Überzeugung gehandelt. Obwohl 1947 auch der dümmste Deutsche von den Verbrechen der Nationalsozialisten wusste, war von Reue oder Einsicht keine Spur, im Gegenteil.

Adolf Hitler schreibt in seinem Buch "Mein Kampf" an einer Stelle :" Die Stärken des Ariers sind nicht seine geistigen Fähigkeiten". Dieses "nicht wissen" und "nicht erinnern können", lässt sich aber nicht mit Dummheit erklären. Erschreckend aber sind die Parallelen zu heute.

Wilhelm Laubenthal schreibt 

....Trupps von Jugendlichen aber auch Erwachsenen zogen Richtung "Blätsch" wo der jüdische Friedhof liegt. Offensichtlich waren viele auswärtige dabei, der Westwall Bau lief ja gerade auf Hochtouren-auch fremde Hitlerjungen die hier ihr Lager hatten und in der Umgebung im Arbeitseinsatz  standen .   .....junge Burschen, manche Kinder noch, machten sich an den Grabsteinen zu schaffen. Sie zerschlugen Gedenktafeln und stürzten Grabsteine um. 

.....später hörte man durch das schreckliche Stimmengewirr Schmerzensschreie: ein stürzender Grabstein war auf einen Hitlerjungen gestürzt und hatte ihn schwer verletzt. Auf einmal schrie jemand aus der Menge: Die Synagoge brennt! Viele Neugierige rannten zur nahen Synagoge wo schon viele standen. .....Als der Dachstuhl zusammenbrach kam die Feuerwehr und löschte.

Am späten Abend erst begann die Nacht und Nebel Aktion, die unter der zynischen Bezeichnung Kristallnacht international berüchtigt ist. Da wurden auch in Merzig die Schaufenster jüdischer Geschäfte zertrümmert, vor allem in der Poststraße, so dass die Glassplitter im Licht der Straßenlaternen glitzerten. Alle noch in der Stadt lebenden wurden aus dem Schlaf geklingelt oder geklopft; wo sie nicht gleich an der Haustür erschienen, brachen fanatische Schergen sie auf, beschimpften und misshandelten die meist betagten Männer und Frauen, trieben sie auf die Straße und dann weiter in den Rathauskeller.

Anmerkung: Im Rahmen des Pogroms  wurde Julius Frenkel und Leopold Baum in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Während Julius Frenkel wieder nach Merzig zurückkehrte, wurde Leopold Baum ins Ghetto Litzmannstadt deportiert , wo er verstorben ist. Julius Frenkel emigrierte nach Mersch/Luxemburg von wo er mit seiner Frau Sara ins Ghetto Litzmannstadt deportiert wurde.  

 Eine Zeugin

"Es war zum Erbarmen", berichtet Frau B., die vom Fenster ihres Hauses aus Zeuge wurde, wie der 74 jährige Herrman Weil, der in der Wagnerstraße einen kärglichen Kramladen betrieb, wie dieser hinfällige Greis, fassungslos zu boden blickend , vor seinen Peinigern durch die nächtliche Straße stolperte.  

 

Reichspogromnacht- Was geschah am 9.11.1938 im Saarland? ( Quelle: Adolf Bender Zentrum und Landesarchiv Saar)  

"Unter dem Zwang der Pistole aufgefordert, die Synagoge aufzusperren"

In Merzig beginnen die Ausschreitungen in der Nacht vom 9 auf 10.November 1938. Julius Frenkel, der im Synagogengebäude wohnt, wird von den SS- Leuten K. und H. gezwungen, den Synagogenschlüssel herauszugeben. Die Täter zerstören die Inneneinrichtung der Synagoge und am nächsten Morgen geht sie in Flammen auf. Die Polizei erhält vom damaligen Bürgermeister und Kreisleiter Dr. Reisel die Weisung, nicht einzuschreiten und die Synagoge ausbrennen zu lassen. Eine Gruppe Jugendlicher richtet unter der Anleitung Erwachsener auf dem jüdischen Friedhof schwere Verwüstungen an.

Am Nachmittag des gleichen Tages entsteht vor dem Hause Hanau und dem Kolonialwarengeschäft Weil in der Wagnerstraße ein Menschenauflauf. Die Polizei wird alarmiert, entfernt sich jedoch rasch mit der Begründung, dass man nichts tun könne. Das Haus Weil wird gestürmt, die Einrichtung zerstört und die 78 jährige Frau Frank misshandelt.

  (Am 25.2.1949 wird der Angeklagte Baustert zu 8 Monaten Gefängnis und der Angeklagte Spaniol zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Der frühere Polizeibeamte Warken wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen (Wwarken wurde aus dem Polizeidienst entlassen und hat als Bergmann gearbeitet).      

  

Zwei Zeugen, zwei Aussagen, ein Ereignis - Reichspogromnacht in Merzig 

 

 Albert Brausch

Wir hatten auf dem des jüdischen Friedhofes ein Garten, den hatte schon mein Vater. Morgens zwischen 10 und 11 Uhr, wir hatten gerade eine Familienfeier, haben uns Nachbarn informiert, dass auf dem jüdischen Friedhof umgeworfen werden. Mein Vater und ich sind gleich zu unserem Garten hoch, als wir ankamen sahen wir gleich was Sache war. Die Grabsteine hatten sie alle umgeworfen und auch hier im Garten haben sie alles zertrampelt. Da habe ich sie gestört, sie sollen wenigstens aus dem Garten bleiben. 20 bis 25 Jungs waren das (Anmerkung: Ein Zeitzeuge hat mir erzählt, das es sich bei den "Jungen" um Schüler des Jahrgangs 1928 gehandelt hat). Da waren auch noch ältere dabei, die haben die Jungen angestiftet. Ich habe ja nichts gegen die Jungen gehabt, sie sollten nur aus dem Garten bleiben. Was die da auf dem Friedhof gemacht haben, da hatte ich ja keine Macht drüber. In der Nähe hier vom Friedhof haben sie die Synagoge angesteckt. Die hat den ganzen Tag gebrannt, bis sie abgebrannt war. Die Feuerwehr ist gekommen, die hat aber nur die Nachbarhäuser geschützt. Das waren ja fast alles Merziger, die hat man ja fast alle gekannt. Die Älteren waren ja Sportsfreunde, mit denen ich Sport getrieben und Fußball gespielt habe. Da war noch jüngere Jugend, die hat man ja auch gekannt.

 Hans Bauer

 

 

Es war ein Schock, das war für alle ein Schock. Wie es eben so ist wenn ein Brand ausbricht, es war ja direkt ein Großbrand. In der ersten Aufregung bin ich dann aufs Polizeiamt gelaufen, und habe mich da beschwert. Ich sagte: Ich wohne doch gegenüber, habe einen Landwirtschaftlichen Betrieb und was geschieht für meine Sicherheit. Da hat der Beamte gesagt: Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, wir haben das einkalkuliert, für ihren Betrieb wird gesorgt. Da war ich beruhigt. Ich könnte nicht sagen das irgendeine feindliche Tendenz bestanden hätte, deswegen glaube ich nicht, das sich einer von den Merziger dort beteiligt hat. Das ist natürlich nur eine meine Meinung von mir, ich habe niemand gesehen der mir bekannt war.

   •••

 Die juristische Aufarbeitung des "Judensturms von Merzig"

STAATSANWALTSCHAFT SAARBRÜCKEN JUNI 1947

Es werden Ermittlungen aufgenommen wegen der Beschuldigung zu Merzig 1938 gemeinschaftlich handelnd vorsätzlich ein zu gottesdienstlichen Versammlungen bestimmtes Gebäude in der Absicht in Brand gesteckt zu haben, um unter Begünstigung desselben einen Aufruhr zu erregen und durch eine weitere selbständige Handlung vorsätzlich und rechtswidrig Gegenstände, Grabmäler, die öffentlich aufgestellt waren, beschädigt und zerstört haben, und durch beide Handlungen sich gleichzeitig sich eines VERBRECHENS GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT schuldig gemacht zu haben., indem die Beschuldigten anlässlich der Aktionen gegen Juden im dritten Reich.

1.) die Synagoge in Merzig in Brand setzten in der Absicht , die Bevölkerung zu Gewaltakten gegen Juden aufzurühren und

2.) in der gleichen Absicht Grabsteine auf dem jüdischen  Friedhof umstürzten und zerstören.

Verbrechen bzw Vergehen nach § 306, 307, Ziffer 2, 304,47, 74 STGB Artikel II Ziffer I Buchstabe c des Kontrollratsgesetzes Nr.10 vom 20.Dezember 1945

Es wird ermittelt gegen folgende Personen 

Kiefer, Johann  Mitglied der SS und SD Gestapo

Thielstraße 26** , Merzig

Holzhäuser, Franz Mitglied der SS und SD Gestapo

Ballern Nr.12, Ballern 

Angestellter beim Bürgermeisteramt Hilbringen 

Warken, Peter  NSDAP , stellvertretender Blockleiter 

Rotensteinerweg 143*,  Merzig

ehemaliger Polizeibeamter, jetzt Bergmann 

Anton, Paul

Bahnhofstraße 52*, Merzig

Schlosser

Bummer, Fritz

Brauerstraße 10**, Merzig

Maschinen Ingenieur 

Dr.Reisel, Otto

Bürgermeister

Nelles,Hubert

Bürgermeister

Baustert, Hans  NSDAP, SA

Am Schwarzenberg Nr.16*, Merzig

Kraftfahrzeugmeister 

Spaniol, Johann  NSDAP, SA

Schlachthofstraße 30*, Merzig

Arbeiter

Vorbestraft

Haupert, Hans  NSDAP, NSKK

Ellerhof*, Merzig

Automechaniker 

Harz, Erwin

Schiller Straße*, Völklingen

Wachtmeister der Gendarmerie zur Probe 

Dollwett, Alfred  Ortsgruppenleiter NSDAP, NSKK

Triererstraße 39*, Merzig

Dentist

Mersdorf, Peter  NSDAP

Annastraße 7*, Merzig

Polizeimeister a.D

Thull, Ferdinand  NSDAP

Eisenbahnstraße 6*, Merchweiler

z.Zt der Judenaktion Revier Oberwachtmeister in Merzig

Gross, Martin  NSDAP

Siedlung 17a*, Brotdorf

Polizeibeamter i.R 

Jäger, Leo  NSDAP, SA Obertruppführer

Triererstraße 23*, Merzig

Uhrmachermeister

Röer, Heinrich  NSDAP, SA Obertruppführer

Poststraße 10 Merzig

Kaufmann

Lambert, Peter   NSDAP stellv. Propagandaleiter Kreis Merzig, SA Obertruppführer

Waldstraße 30*, Merzig

Lehrer

Hoffmann, Heinrich  HJ

Saarallee 26*, Bernkastel-Kues

Dolmetscher

Verantwortlich vernommen wurden

Peter Lambert Merzig, Heinrich Röer Merzig, Leo Jäger Merzig, Martin Gross Brotdorf, Johann Alt Merzig, Ferdinand Thull Merchweiler

Peter Mersdorf Merzig, Theo Schwindling Merzig, Alfred Dollwet Merzig, Maria Steuer Merzig, Hans Haupert Merzig,

Erwin Harz Völklingen, Josef Hackenberger Mettlach, Wilhelm Hein Merzig, Luidwin Pesi Merzig, Edmund Zenner Merzig,

Johann Mann Merzig, Ludwig Günther Merzig, Elisabeth Lamberti geb.Doll Merzig, Margarete Herlet geb. Kizinger Merzig

Josef Karl Anton Merzig, Anton Kreuz Merzig, Klaus Heidecker Merzig, Andreas Schawel Merzig, Maria Hirz Merzig,

Katharina Dillschneider Merzig, Franz Barthel Merzig, Ella Altmeyer geb. Kammer Merzig, Dora Hans geb. Schütz Merzig,

Die von den Beschuldigten genannten Zeugen

Balle, Matthias Mohr, Max Bold,  Frau Kartes sind verstorben

Der als Zeuge genannte Meyers ist bereits aus dem Saargebiet ausgewiesen worden.

Wilhelm Altmeyer Merzig, Peter Steuer Merzig, Katharina Peifer geb. Bauster Merzig, Maria Dillenburger Merzig, Anna Thurn Merzig

Hilde Heinz geb. Fischer Merzig, Fritz Ton Merzig, Maria Fischer geb.Kiefer, Arnold Kopp Fremersdorf, Susanna Felsenthal Merzig,

Saarbrücken 23. März 1948 

( * Adresse nach 1945  ** Adresse 1938)

 

Die Befragung der Zeugen

 

Landeskriminalpolizei Dezernat II  Merzig, den 29.8.1947 

Vernehmung des Metzgermeister MATHIAS STEINES 52 Jahre, wohnhaft in Merzig gegenüber der Synagoge.                     

Mein Haus befindet sich gegenüber der ehemaligen Synagoge. In der fraglichen Nacht, es kann der 9. November gewesen sein, gegen 4 Uhr Nachts , wurde ich mit meiner Frau durch außergewöhnlichen Radau aus dem Schlafe geweckt . Ich begab mich an das Fenster , öffnete es, sah das die Synagoge hell erleuchtet war  und hörte aus der Synagoge einen enormen Tumult. ich habe durch das Fenster der Synagoge festgestellt , dass  das ganze Inventar zerstört wurde. Durch den Lichtschein habe ich gesehen, dass die Personen, welche die Zerstörungen vornahmen SA und SS Leute waren.

An dem Dialekt der Personen habe ich gehört, dass es sich um Merziger oder aber auch unmittelbarer Gegend befindliche Personen handelte. Nachdem der Kronleuchter zerstört war, war die Synagoge vollständig dunkel und ich konnte keine weiteren Wahrnehmungen machen. Gegen 9 Uhr morgens ist die Horde wieder erschienen  und hat unter Mithilfe einer großen Anzahl Kinder  Bänke und weiteres Material  aus der  Synagoge herausgeschafft bzw herausgeworfen.

Es kann gegen 10 Uhr gewesen sein , als die Synagoge in Brand gesetzt wurde. Wie der Brand entfacht wurde kann ich nicht angeben. Gegen 12 Uhr kam der Polizeibeamte Warken zu mir in die Wohnung und hat von hier aus nach dem Bürgermeisteramt telefoniert und sagte u.a. die Synagoge brennt, aber die Feuerwehr braucht noch nicht zu kommen, erst in 1 Stunde wenn sie gut brennt. Unter den SS Leuten die sich am Tage an der Zerstörung beteiligten habe ich einen gewissen Kiefer und Holzhäuser erkannt.

Während der Zerstörung und während des Brandes der Synagoge war ein außergewöhnlicher Tumult auf der Straße. Eine große Anzahl Schaulustiger und Kinder waren Anwesend. Die Kinder haben sich an der Zerstörung rege beteiligt. Die Zerstörung des Friedhofes hat am gleichen Tage stattgefunden. Auch hier hat sich wieder eine große Anzahl Kinder beteiligt.   

Landeskriminalpolizei Dezernat II  Merzig, den 29.8.1947 

Vernehmung des Kaufmann Nikolaus Gasper, 72 Jahre, wohnhaft in Merzig Neustraße 8

Meine Wohnung befindet sich in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Synagoge. In der fraglichen Nacht wurde ich durch den überlauten Tumult von der Straße her aus dem Schlafe geweckt. Ich bin aufgestanden und habe mich an das Fenster begeben  um festzustellen was eigentlich los sei. Ich habe vor der Synagoge eine größere Anzahl Personen gesehen Ferner habe ich beobachtet, das einzelne Personen mit Steinen in die Fenster der Synagoge warfen. Unter den Anwesenden habe ich keine Uniformierten gesehen. Ich kann daher nicht angeben, ob es sich um SA oder SS Leute handelte.

Ich habe eine Weile zugesehen, habe mich dann aber zurückgezogen, habe das Fenster geschlossen, da ich vermutete , dass die Synagoge in Brand gesetzt würde. (Anmerkung: Wie konnte er vermuten , dass die Synagoge angezündet wird?)   

Ich war damals Reisender von Beruf  und begab mich schon frühzeitig auf Geschäftsreisen. Zum Schluss möchte ich noch ausdrücklich betonen, das ich von den Personen welche an der Zerstörungen teilgenommen haben, keine erkannt habe. Es ist mir auch niemals zu Ohren gekommen, wer sich daran beteiligt hatte. Ich habe mich um die ganze Angelegenheit selber nicht gekümmert, weil ich viel Wichtigeres zu tun hatte.

 

 Landeskriminalpolizei Dezernat II  Saarbrücken, den 15.9.1947  

Vernehmung des ehemaligen Polizeibeamten Peter Warken 54 Jahre ,Merzig Rotensteinerweg 145

Mitglied in der NSDAP, stellvertretender Blockleiter

In dieser Sache wurde ich  bereits in Theley, vor der Entlassung aus der politischen Haft vernommen. Bei meinem Dienstantritt am 9.11.1938 Vormittags 8 Uhr,  erhielt ich vom damaligen Dienststellenleiter Mersdorf, den Auftrag nach dem jüdischen Friedhof zu gehen, dort sei ein Junge, Paul Anton schwer verunglückt.

 An die angegebene Zeit will ich mich nicht binden, es kann auch früher oder später gewesen sein. Bei meinem Eintreffen waren noch mehrere Personen auf dem Friedhof, die aber keinerlei Gewalttätigkeiten oder Zerstörungen vornahmen. ich hatte den Eindruck, dass die Personen, auf das Schreien des Jungen, nach dem Friedhof  geeilt sind. Die Personen erklärten mir, dass der Junge bereits in das Krankenhaus gebracht worden ist. Die noch anwesenden halbwüchsigen Burschen sind bei meinem Eintreffen davongelaufen. 

Der Friedhof bot ein wüstes Bild der Zerstörung. Von den anwesenden Personen habe ich niemand erkannt. Auf mein Befragen, wer die Verwüstung angerichtet habe, wurde mir gesagt, das es Kinder waren, und im Flüsterton sagte man, dass die SA daran beteiligt war. Ich habe dann den Friedhof verlassen um das Krankenhaus aufzusuchen, um den infrage kommenden Jungen zu vernehmen.

Auf dem Wege ging ich an der Synagoge vorbei. Als ich in die Nähe kam, liefen die Jungens fort. Das übliche Straßenbild war etwas verändert, d.h. es standen etwas mehr Leute in der Straße vor der Synagoge. Auch sah ich, das die Fenster zertrümmert waren. Es warf sich nun der Gedanke auf, das es sich um eine organisierte Sache handeln muss. Ich fragte die Leute was los ist. Ich bekam teils keine Antwort, andere flüsterten. Mittlerweile traf ein Auto (Geländewagen) besetzt mit 6 SS Leuten ein, hielt vor mir still und einer der SS richtete die Frage an mich, wo ist die Synagoge? Ich sagte zu ihm, hier steht sie ja. Dann sagten sie, wie kommen wir da hinein? Ich erwiderte, dass der Synagogenwärter Frenkel, heute Nacht von der Staatspolizei  festgenommen worden sei. Hierbei wurde aus dem Publikum gerufen, da wohnen ja die Angehörigen des Frenkel. Sie begaben sich dann in die Wohnung des Frenkel und verlangten im barschen Ton die Schlüssel der Synagoge. (Anm. Woher wusste Warken das Frenkel verhaftet wurde? Die Synagoge wurde Nachts schon demoliert und danach hat man sorgfältig wieder abgesperrt? Ein Menschenauflauf, eingeschlagene Fenster, und die SS soll gefragt haben wo die Synagoge steht?) 

Nachdem ihnen der Schlüssel ausgehändigt war, öffneten sie die Tür der Synagoge und gingen hinein. Ich folgte ihnen unmittelbar und ging hinein. Als ich die Synagoge betrat stellte ich fest, dass Steine und Holzknüppel umherlagen, die vermutlich durch die Fenster hinein geworfen waren. Die SS ist dann dazu übergegangen, hat die auf den Sitzen liegenden Gebetbücher genommen, sie zerrissen und auf einen  Haufen geschichtet. Dann haben sie die Bänke abgerissen, sie zerschlagen und ebenfalls auf einen Haufen geschichtet. Es wurde dann ein Feuer angesteckt. Als ich ihnen zum Vorwurf machte, dass durch diesen Brand die ganze Nachbarschaft gefährdet sei, wurde mir gedroht mit Dachau u.s.w. Das Feuer hat sich entwickelt bis zum Dachstuhl. Die SS Leute waren etwa 1 Stunde anwesend. An der Brandstiftung haben sich außer den SS Leuten keine sonstigen Personen beteiligt.

Die SS Leute habe ich nicht gekannt und ich nehme an, dass sie nicht von Merzig waren, denn ich bekam diese Leute nicht mehr zu Gesicht. Nachdem die SS Leute fort waren, habe ich mich persönlich  für die Löschung des Brandes eingesetzt. Ich versuchte das Feuer zu ersticken was mir nur zum Teil gelang, sonst hätte es größere Formen angenommen.

Ich kann mich nicht entsinnen, ob ich von der Wohnung Steines aus telefoniert habe. Ich weiß nur, dass ich persönlich den damaligen Leiter der Feuerwehr, Johann Trampert, von dem Synagogenbrand in Kenntnis gesetzt habe. Dieser begab sich sofort mit mehreren Feuerwehrleuten zur Synagoge und hatten den Brand gelöscht. 

Ich bin nicht mehr mitgegangen, weil ich den Auftrag hatte, den auf dem Friedhof verunglückten Jungen im Krankenhaus zu vernehmen. Auch wollte ich mich nicht bei der Löschung öffentlich beteiligen, weil ich vermutete, das die SS wieder zurückkommt und ich mit diesen nicht in Konflikt kommen wollte. Über den Brand habe ich eine Brandanzeige gefertigt und bei meiner Dienststelle vorgelegt.

Im Jahre 1941 wurde die Synagoge abgerissen und in eine NSV Kindergarten dort errichtet. Ich habe weder unter den Beteiligten noch unter den Zuschauern irgend eine Person gekannt. Ich bin daher nicht in der Lage irgendeine Person namhaft zu machen, die an der Zerstörung der Synagoge  oder an der Verwüstung des Friedhofes teilgenommen hat.

 

Landeskriminalpolizei Dezernat II  Saarbrücken, den 25.9.1947

Vorgeladen erscheint der Stadtobersekretär Johann Trampert, 56 Jahre alt, wohnhaft Merzig am Gaswerk 8 und erklärt zur Sache wie folgt;

Wenn der ehemalige Polizeibeamte Warken in einer Vernehmung behauptet, er habe mich persönlich von dem Synagogenbrand unterrichtet, so muss ich das entschieden bestreiten.

 Ich habe von dem Synagogenbrande erst am folgenden Tage erfahren. Soviel mir bekannt ist, ist die Feuerwehr überhaupt nicht alarmiert worden. Ob sie in Tätigkeit getreten ist weiß ich nicht. Jedenfalls ist die Feuerwehrsirene nicht in Tätigkeit gesetzt worden.

Außerdem war ich damals auch nicht Wehrführer, sondern lediglich Truppführer. Als solcher hatte ich ein Fahrzeug zu kontrollieren mit 8 Feuerwehrleuten. Beim Brand der Synagoge selbst war ich nicht dabei gewesen. Wehrführer war damals der verstorbene Klempnermeister Wilhelm Britten. Mehr kann ich nicht angeben.   

 

Landeskriminalpolizei Dezernat II Saarbrücken, den24.9.1947 

Vernehmung des Schlossers  Paul Anton , 22 Jahre alt, wohnhaft in Merzig Bahnhofstraße 12 

Ich bin in vorliegender Sache schon wiederholt vernommen worden, kann jedoch über die Zerstörung des Friedhofes keine erschöpfende Auskunft geben.

An dem fraglichen Tage wurden in Merzig 3 neue Volkswagen zur Besichtigung vorgeführt. Als 13 jähriger Junge habe ich mich dafür interessiert. Während  dieser Besichtigung kamen einige Schulkameraden und erzählten uns das die Synagoge brenne. Darauf gingen wir alle zur Synagoge. Als wir dort ankamen stand die Synagoge in Flammen. Um sie herum gruppierte sich eine große Menschenmenge. Ganz in der Nähe der Synagoge sah man im Hofe Erwachsene und Kinder mit Gebetbüchern und Papier herumwerfen. An die Namen der Personen kann ich mich nicht erinnern.                                                                                                                                       

Währenddessen kam ein Kamerad zu mir und sagte:" Komm wir gehen rauf zum Judenfriedhof, die Polizei dort hat gesagt, wir sollen hingehen." Wer dieser Polizeibeamte gewesen ist, kann ich nicht sagen, da ich ihn nicht gekannt habe. Das es der Polizist Mersdorf gewesen ist, glaube ich nicht, sonst hätte ich ihn kennen müssen, ich kann auch nicht sagen, dass es Warken war. 

Anschließend gingen wir zum Judenfriedhof hinauf- es waren mehrere Schuljungs. Als ich dort ankam, standen erwachsene Leute und eine Menge Kinder zwischen 10 und 15 Jahren auf der Friedhofsmauer und innerhalb des Friedhofes selbst. Einige Jungens waren auch noch damit beschäftigt Gräber zu demolieren, während die Erwachsenen nur zuschauten und sich darum weiter zu kümmern. Der Friedhofswärter Brausch kam immer wieder auf den Friedhof um die Jungs zu stören und wegzujagen, wenn er jedoch verschwunden war, kamen die Jungens immer wieder. Ich selbst hielt mich etwa 5 Minuten auf dem Friedhofe auf, kam auf der Flucht vor dem Friedhofswärter Brausch zu Fall und wurde durch einen kippenden Grabstein verletzt, an dem sich in diesem Augenblicke noch verschiedene Jungens zu schaffen machten.

Von den an der Zerstörung des Friedhofes beteiligten Jungens kann ich keinen Namhaft machen. Es waren wohl Schulkameraden von mir, die ich kannte aber ich kann mich heute nicht mehr erinnern, wer von denen auf dem Friedhof war.

Wenn mir vorgeworfen wird, dass ich selbst an der Zerstörung teilgenommen haben soll, so muss ich dies entschieden bestreiten. ich war nur als Zuschauer dort und hielt mich bis zu meinem Unfall nur etwa 6 Minuten innerhalb des Friedhofes auf. Der Unfall war so schwer, dass ich ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. 

 

Landeskriminalpolizei Dezernat II Saarbrücken, den 26.9.1947

Personalbericht

Name: Kiefer, Johann

Geboren: 23.10.1905 in Montigny bei Metz

Frühere Wohnung: Merzig, Thielstraße 26

Ehefrau: Anna geb. Huckert, wohnhaft in Merzig am Schwarzenberg 25

Vater: Johann Kiefer, Lokomotivführer i.R

Mutter: Maria geb. Kron, wohnhaft in Merzig

1938 tödlich verunglückt

 

Name: Holzhäuser, Franz

Geboren: 29.11.1899 in Merzig

Beruf: Angestellter beim Bürgermeisteramt Hilbringen

Frühere Wohnung: Ballern Nr.12 bei Merzig

Ehefrau: Alma Martha geb. Schilling

Wohnhaft: Ballern

Vater: Johann Peter Holzhäuser gestorben in Mannheim

Mutter: Anna Margareta geb. Uhrmacher verstorben in Merzig

1938 tödlich verunglückt

 

Bericht an die Staatsanwaltschaft Saarbrücken

Nach den getätigten Ermittlungen kommen in vorliegender Brandstiftungssache SS Leute aus Merzig und Umgebung infrage. Namentlich sind nur ein gewisser Holzhäuser Franz und Kiefer Johann bekannt. Die Anwohner der Synagoge machen keine genauen Angaben, hinterlassen aber den Eindruck, dass sie die Täter kennen und sie nicht angeben wollen. Sehr deutlich wird das aus der Vernehmung des Mathias Steines ersichtlich. Dieser Zeuge hat den Vorgang in der Synagoge genau beobachtet, hat gesehen, dass die Täter SS Leute waren, will jedoch nur Holzhäuser und Kiefer erkannt haben (Beide sind tot). Eine richterliche Vernehmung des Zeugen wäre deshalb zweckmäßig.

Als weiterer Täter kommt auch der ehemalige Polizeibeamte Warken in Frage. In seiner Vernehmung erklärt er, sich nur mit dem Löschen des Brandes betätigt zu haben. Seine Angaben sind jedoch unglaubhaft. So  behauptet Warken z.b. er habe den Truppführer der Feuerwehr Johann Trampert benachrichtigt, während jener die Behauptung ganz abstreitet. Ein weiterer Widerspruch ergibt sich zwischen den Aussagen des Warken und denen des Paul Anton. Letzterer beschuldigt ihn auch der Anstiftung bei der Zerstörung des jüdischen Friedhofes in Merzig. Weitere Täter konnten nicht ermittelt werden.

Raab, Kriminal Assistent

 

Landeskriminalpolizei Dezernat II  Saarbrücken,  den 26.9.1947 

Personalbericht

Name: Bummer, Fritz

Geboren: 29.8.1908 in Merzig

Beruf: Maschinen Ingenieur

Religion: evangelisch

Familienstand: ledig

frühere Wohnung: Merzig Brauerstraße 10

Vater: Gustav Bummer gestorben 4.11.1943

Mutter: Helene geb. Papst gestorben 25.11.1944

Bericht an die Staatsanwaltschaft Saarbrücken       

Nach den getätigten Ermittlungen kommen bei vorliegender Strafsache nur Kinder zwischen 10 und 15 Jahren infrage, die von Erwachsenen angestiftet b.z.w. angeführt wurden. Als Anführer ist in der Vernehmung des Zeugen Brausch ein gewisser Bummer genannt, der jedoch im Kriege gefallen ist . (Anm. andere Zeugen sagen aus, Bummer habe sich erschossen) Im Verdacht  der Anstiftung steht der ehemalige Polizeibeamte Peter Warken. Nur dieser kann der Beamte gewesen sein, der die Jungens von der Synagoge aus zum Friedhofe geschickt hat. Dies geht daraus hervor, dass Warken , wie er selbst zugibt, an der Synagoge war. Wenn seine Aussagen denen des Anton widersprechen, so sind die Letzteren ohne Zweifel als die tatsächlichen zu erkennen. Anton muss erst an der Synagoge und dann erst auf dem Friedhof gewesen sein,  denn nach seiner schweren Verletzung war ein erscheinen an der Synagoge unmöglich. Außer Warken war jedoch kein Polizeibeamter  an der Synagoge. Also  muss er auch der Beamte gewesen sein, der die Jungens zum Friedhof geschickt hat. Bei der Wändigkeit dieses Polizeibeamten wäre eine richterliche Vernehmung zweckmäßig.

Raab, Kriminal Assistent

 

Schreiben durch den Herrn Generalstaatsanwalt in Saarbrücken an den Herrn Untersuchungsrichter beim Landgericht  in Saarbrücken         

Aktenzeichen 2 Js 1767/47                

mit dem Antrage

gegen 1) den ehemaligen Polizeibeamten Peter Warken aus Merzig Rotensteinerweg 143

2) noch unbekannte Täter

die die Voruntersuchung zu eröffnen und zu führen

wegen der Beschuldigung  

 zu Merzig 1938 gemeinschaftlich handelnd vorsätzlich ein zu gottesdienstlichen Versammlungen bestimmtes Gebäude in der Absicht in Brand gesteckt zu haben, um unter Begünstigung desselben einen Aufruhr zu erregen und durch eine weitere selbständige Handlung vorsätzlich und rechtswidrig Gegenstände, Grabmäler, die öffentlich aufgestellt waren, beschädigt und zerstört haben, und durch beide Handlungen sich gleichzeitig sich eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht zu haben., indem die Beschuldigten anlässlich der Aktionen gegen Juden im dritten Reich.

1.) die Synagoge in Merzig in Brand setzten in der Absicht , die Bevölkerung zu Gewaltakten gegen Juden aufzurühren und

2.) in der gleichen Absicht Grabsteine auf dem jüdischen  Friedhof umstürzten und zerstören.

Verbrechen bzw Vergehen nach § 306, 307, Ziffer 2, 304,47, 74 STGB Artikel II Ziffer I Buchstabe c des Kontrollratsgesetzes Nr.10 vom 20.Dezember 1945

Saarbrücken, den 3.Oktober 1947

Der Oberstaatsanwalt 

— — —

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom 11.10.1947 wird vom Untersuchungsrichter beim Landgericht Saarbrücken, durch Landgerichtsrat Gapp am 13.10.1947 die Voruntersuchung wegen der vom Oberstaatsanwalt genannten Vergehen, gegen Peter Warken und noch unbekannte Täter eröffnet. 

 — — —

 

Der Untersuchungsrichter beim Landgericht Saarbrücken               Saarbrücken, den 20.10.1947           Landgerichtsrat Gapp                    

Auf Vorladung erscheint der Nikolaus Gaspar 73 Jahre alt, Pensionär, wohnhaft in Merzig Neustraße  5 

.... auch nachdem mir eingehend vorgehalten wird, dass ich von der vor der Synagoge stehenden Menschenmenge einzelne Personen erkannt haben müsse, und das ich auch gesprächsweise den Namen von Beteiligten und Rädelsführern gehört haben müsse, erkläre ich, an meine Wahrheitspflicht ermahnt, dass dies nicht zutrifft.

.... ob Nachbarn von mir vor der Tür standen oder von den Fenstern aus der Aktion zusahen, weiß ich nicht.

.... ich habe den Namen Peter Warken sowie des Paul Anton in Verbindung mit der Synagogenangelegenheit und auch sonst nicht nennen hören.

....auf die Frage wer den bezüglich der Synagogenaktion Näheres wissen könne, erkläre ich, dass dies meines Erachtens Matthias Steines ist.      

Weiter auf Vorladung erscheint der Mathias Steines, Metzgermeister, 51 Jahre alt, wohnhaft in Merzig, Neustraße 11 

.... in der fraglichen Nacht wurde ich durch einen außerordentlichen Tumult auf der Straße geweckt. Ich trat ans Fenster, es kann gegen 4 Uhr morgens gewesen sein und ich sah vor der Synagoge einige SA und SS Männer. Sie gingen in der Synagoge ein und aus und ich hörte, wie drinnen Einrichtungsgegenstände zerschlagen wurden. Von meinem Fenster konnte ich sogar in die Synagoge sehen und habe gesehen, wie dort alles zerschlagen wurde.

.... ich hörte auch wie sich mehrere SS und SA Leute mit dem Juden Frenkel, der kurz auf der Tür stand, herumstritten. Ob er geschlagen worden ist, weiß ich nicht.

.... wie ich einige Tage später gesprächshalber hörte, sollen die Haupttäter die beiden inzwischen verunglückten SS Männer Holzhäuser und Kiefer gewesen sein, außerdem war ein Mann namens Fritz Bummer der früher eine höhere Funktion in der Merziger SS hatte hauptsächlich in Frage kommen.

.... dieser Bummer war befreundet mit einem SS Mann Karl Wegener aus Fremersdorf, ein weiterer SS Kamerad von ihm war der Bäckermeister Theo Schwindling in Merzig, Kaiserstraße. Ich habe die beiden letzteren allerdings nicht im Zusammenhang mit dem Synagogenbrand nennen hören.

.... meines Erachtens müsste aber der Johann Kohn, Landwirt aus Merzig, der z.Zt. in der Josefstraße neben der Gastwirtschaft Hilger wohnt, auch einiges über den Synagogenbrand sagen können. Kohn wohnte  damals  nur etwa 3 - 5 Meter von der Synagoge entfernt.

.... am Morgen habe ich unter der Menschenmenge, die sich inzwischen vor der Synagoge angesammelt hatte, den Toni (Anton) Kreuz aus der Josefstraße erkannt.

.... wie ich schon angegeben habe, wurde die Synagoge etwa um 10 Uhr morgens in Brand gesetzt. Ich war zu dem Zeitpunkt am arbeiten, kann mich aber noch genau erinnern, dass der Polizeibeamte Warken zu mir kam,  um zu telefonieren. Er rief im Bürgermeisteramt an und erklärte, die Synagoge würde brennen. Ich habe mit aller Bestimmtheit gehört, wie er hinzufügte, die  Feuerwehr solle erst in etwa einer Stunde, wenn es gut brenne, geschickt werden.

.... was den Warken angeht so war er ein fanatischer Nationalsozialist.

.... was im übrigen die Merziger Judenaktion (Anm. gemeint ist hier der Pogrom gegen Juden in der Wagner und Feldstraße) angeht, so ist bekannt, dass man sich gegen die Juden Hermann Weil so wie die Geschwister Levy geradezu in unmenschlicher Weise benommen hat. Ich habe gehört, dass man ihre Einrichtung zerstört und die Juden selbst misshandelt hat. Näheres darüber könnte der Oberaufseher Bohr, welcher bei der Terrakottafabrik arbeitet und in der Wagnerstraße wohnt, sowie seine Frau  angeben.                                                                                                                                                                                                                                                          

                                                                                                                                                                                                       

 

 

 

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